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Software Programme für NGOs: Open Source oder proprietäre Lösung?

Was für Vorteile bieten Open Source Software Lösungen für NGOs

In früheren Artikeln haben wir euch in unserer Reihe der kostenlosen digitalen Verwaltungs-Tools für Non-Profit Organisationen bereits einige Organisations- und Marketing Tools von Google vorgestellt. In diesem Artikel wollen wir euch nun eine andere Philosophie von Softwareprogrammen präsentieren, die euren Blick auf die Thematik etwas erweitern kann.

Der ein oder andere mag sich wundern, dass sich Software überhaupt hinsichtlich einer Philosophie unterscheiden lässt. Wir wollen heute mal etwas Licht „Lichter die Kulissen (der Informationstechnologie)“ werfen, und uns angucken, was es an alternativen Modellen von Software gibt und vor allem, warum es für euch und eure Organisation wichtig ist, sich darüber Gedanken zu machen.

Hintergrund

Der Kern der heutigen Thematik führt uns zurück zu den Anfängen der Softwareentwicklung und der Begründung der Free Software Foundation (FSF). Mit der Erfindung des Computers wurden die ersten Programme entwickelt, die dem Computer Befehle erteilen, was dieser tun soll. Die Software des Computers könnte man auch mit dem Gehirn des Körpers vergleichen, weil sie beschreibt, was und in welcher Form eine Aktion ausgeführt werden soll. Jede Software basiert auf einem Quellcode, der von ProgrammiererInnen entwickelt werden muss. Dieser Quellcode ist die menschlich lesbare Form der Software, welche wiederum in einen Maschinencode umgewandelt wird, der dann vom Computer gelesen wird.

Open Source Lösung: Vor-und Nachteile

In der ersten Entwicklungsform von Softwares war es so, dass jede Person Zugang zum Quellcode eines Programms hatte. Diese offene Form von Softwareentwicklung wird auch „Open Source“ Software genannt. Weil man in ihren Quellcode reinschauen kann, hat sie den riesigen Vorteil, dass der oder die VerbraucherIn (zumindest theoretisch) selbst untersuchen kann, was die Software eigentlich genau macht. Außerdem kann die Software beliebig mit anderen Funktionen, die man gerne hätte und die im Ursprung noch nicht eingebaut wurden, erweitert werden. Auch Fehler, sogenannte „Bugs“, können nachvollzogen und somit schneller behoben werden. Das Entwickeln von Software war zu jener frühen Zeit also mehr eine Gemeinschaftsarbeit, in der verschiedene EntwicklerInnen zusammen an einem Projekt gearbeitet und sich gegenseitig mit Erweiterungen und Reparaturen geholfen haben. Diese Form der Zusammenarbeit hat den großen Vorteil, dass Fehler schneller entdeckt und direkt in der EntwicklerInnen Gemeinschaft behoben werden können – aufgrund dieses „Prinzips der vielen Augen“ wird eine Open Source Software von Anwendern oftmals als sicher empfunden. Open Source Softwarelösungen bergen aber auch den Nachteil, dass sich ein Programm in viele Richtungen weiterentwickeln kann und an vielen kleinen Baustellen gearbeitet wird, die jedoch nicht immer fertiggestellt werden. Manchmal wird durch viele parallele Baustellen der Fokus eines Projekts zudem sehr weit verteilt und sich nicht auf einen Hauptzweig konzentriert. Dies kann zu einem verlangsamten Voranschreiten der Entwicklung oder einer unkoordinierten Zerstreutheit führen, bei der ein Projekt nicht zu Ende geführt wird. Viele Open Source Lösungen sind zudem unentgeltlich entwickelt oder basieren auf Spenden – die Zukunft des Programms und deren Weiterentwicklung ist also zu einem großen Teil vom Engagement der Projektverantwortlichen abhängig. Bei Open Source handelt es sich also um eine Form von Softwarelösungen, bei der oft ein ethisch bewusster Umgang mit Technik an den Tag gelegt wird. Das bringt jedoch auch einige Nachteile mit sich, denn nicht immer werden Open Source Lösungen kommerzialisiert und der fehlende wirtschaftliche Druck bringt viele Open Source Initiativen zum Erliegen. Ein großer Bonus speziell für Non-Profit Organisationen ist jedoch, dass die meisten Open Source Programme kostenlos verfügbar sind.

Closed Source Software im Vergleich

Warum Open Source sich eine ethisch bewusste Haltung auf die Kappe schreibt, offenbart sich, wenn man den Ansatz mit dem der „Closed Source Software“ vergleicht. Mit zunehmendem Einfluss des Computers in unser Leben veränderte sich auch die Softwarelandschaft, da die Softwareentwicklung sich schnell als profitables Geschäftsmodell herausstellte. Schon bald hielten immer mehr EntwicklerInnen die Quellcodes unter Verschluss und programmierten ihre Anwendungen als „Closed Source“ oder „proprietäre“ Software. Der Vorteil für EntwicklerInnen von Closed Source Software ist, dass ihre Arbeit nicht übernommen und von Fremden für den eigenen Vorteil verkauft werden kann. Darüber hinaus werden die Projekte oft strenger in Hinblick auf Fertigstellung und Eingrenzung eines Produktes überwacht. Ein großer Nachteil ist jedoch, dass VerbraucherInnen nur einen sehr begrenzten Einfluss auf das Programm haben und auf den guten Willen und die Serviceorientierung der Hersteller angewiesen sind. Abläufe und Funktionsweise der Software bleiben für die AnwenderInnen oft ein Geheimnis und Fehler oft lange Zeit unbehoben. Aus diesem Grund hat sich die FSF gegründet, die sich dafür einsetzt, den VerbraucherInnen wieder mehr (Mitgestaltungs-)Rechte zu übermitteln und diese aus einer blinden Abhängigkeit der großen Unternehmen zu lösen. Die FSF argumentiert, dass Unternehmen nicht das Recht haben sollten, die Freiheitsrechte der Menschen auch im digitalen Raum so drastisch einzuschränken. Speziell in den letzten Jahren haben sich immer mehr Alternativen zur proprietären Software etabliert. Grund dafür ist, dass ein zunehmendes Bewusstsein im Umgang mit digitalen Medien aufkeimt und auch die Vorteile wie solidarische Bezahlprinzipien von vielen Verbrauchern als überzeugend empfunden werden.

Welche Software Lösung ist für NGOs die Richtige?

Dieser kleine Abriss zeigt, dass es durchaus unterschiedliche Philosophien gibt, wie man an die Thematik Software herangehen kann und was ich mit meiner Organisation unterstützen möchte. Die Bedeutung von Selbstbestimmung beim Einsatz von Software wird von vielen Menschen unterschiedlich bewertet.

Das bedeutet also: Für Diejenigen unter euch, die diesen Punkt etwas gelassener sehen, stellen webbasierte Softwareprodukte in der Cloud wie zum Beispiel die von Google eine gute Lösung dar. Für Jene allerdings, denen Souveränität wichtig ist, sind wohl Open Source Alternativen die bessere Option. Die Programme können größtenteils kostenlos und in der Regel mit dem selben Funktionsumfang wie proprietäre Programme verwendet werden – mit dem Vorteil, der Software „unter die Motorhaube“ zu gucken und sie an die eigenen Bedürfnisse anpassen zu können.

An dieser Stelle muss der Fairness halber jedoch auch noch einmal betont werden, dass die Softwarelandschaft nicht nur schwarzweiß geprägt ist. Viele moderne Unternehmen, vor allem aus dem Start-Up-Umfeld, gehen einen Hybridweg. Sie nutzen Open Source Komponenten für bestimmte Funktionen ihrer eigenen Software und sorgen so in wichtigen Bereichen für Transparenz und Einfachheit. Darüber hinaus unterstützen sie mit ihrer Arbeit auch die Open Source Gemeinschaft, denn sie optimieren durch den täglichen Umgang mit dem Code dessen Qualität und tragen Lösungsansätze zurück in die Community – ein Ansatz, den auch gettup verfolgt.

Für sozial nachhaltig agierende Non-Profit Organisation kann es auf jeden Fall sinnvoll sein zu überlegen, welche Softwarephilosophie man als unterstützenswert empfindet und wo man seine Werte und Ideale am besten vertreten sieht.

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